Ich arbeite nicht allein

Heute kam so ein Gedanke.

Nicht laut.
Nicht dramatisch.
Eher trocken.

„Du hast seit zwei Wochen keinen Blog-Beitrag geschrieben.“

Aha.

Ich habe da eine innere Stimme,
die führt offenbar Strichlisten.

Sie mag Rhythmus.
Sie mag Struktur.
Sie mag Fortschritt.

Und vermutlich Tabellen.

„Stimmt“, sage ich zu ihr,
„aber ich war mit anderen Dingen beschäftigt.“

Sie schweigt kurz.
Dieses Schweigen kenne ich.
Es ist kein zustimmendes Schweigen.
Es ist dieses:
Ich merke mir das.

Und kaum ist sie still,
meldet sich die nächste.

„Du weißt doch, wie wichtig Kontinuität ist, oder?“

Natürlich weiß ich das.

Diese Stimme taucht zuverlässig dann auf,
wenn es darum geht,
mir ein schlechtes Gewissen anzubieten.

Sehr hilfsbereit.

Sie geht mir ehrlich gesagt
ziemlich auf die Nerven.

Und gleichzeitig –
wenn ich ganz ehrlich bin –
hat sie mich schon vor manchem
Unheil bewahrt.

Blöd nur,
dass ich in den letzten Tagen
gar kein Unheil verhindern wollte.

Ich wollte spielen.

Ich wollte Ideen drehen und wenden.
Ich wollte an meinem Bühnenprogramm arbeiten.
Ich wollte Bilder im Kopf haben,
wie ich auf einer Bühne stehe
und Worte in den Raum werfe
wie Konfetti.

Und es hat sich gut angefühlt.

Richtig gut.

Und genau in diesem Moment,
während die beiden inneren Buchhalter
mit dem Kalender wedeln
und etwas von „Konsequenz“ murmeln,
steht da noch jemand.

Still.
Nicht hektisch.
Nicht belehrend.

Und sagt nur:

„Das war gut. Mach weiter.“

Keine Tabelle.
Kein Vorwurf.
Kein Zeitplan.

Nur ein inneres Nicken.

Vielleicht arbeite ich wirklich nicht allein.

Vielleicht bin ich eher so etwas wie
der Moderator einer ziemlich lebhaften Diskussionsrunde.

Da gibt es die Planer.
Die Mahner.
Die Sicherheitsbeauftragten.

Und dann gibt es diesen Teil,
der einfach Lust hat.

Der nicht fragt,
ob es strategisch klug ist,
sondern ob es sich lebendig anfühlt.

Und vielleicht besteht meine Aufgabe
gar nicht darin,
eine dieser Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Vielleicht besteht sie darin,
ihnen zuzuhören –
und trotzdem selbst zu entscheiden,
wer heute das Mikro bekommt.

 

Über den Autor:

Robert Plaschke beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, warum wir denken, fühlen und reagieren, wie wir es tun.

Nicht theoretisch. Sondern mitten im Alltag.

Er liebt klare Gedanken, weiß aber auch, wie schnell sie kompliziert werden.
Vor allem dann, wenn Denken versucht, Sicherheit zu liefern.

In seinen Texten verbindet er psychologische Tiefe
mit Humor und Selbstironie.
Nicht, um Antworten zu geben – sondern um Denkprozesse sichtbar zu machen.

Sein Ansatz ist einfach:
Wenn wir über uns lachen können, denken wir oft ehrlicher.

Und manchmal hilft genau das mehr
als jede Erklärung.

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