Denken hilft. Manchmal.

Denken ist so eine komische Sache.

Ich rede nicht vom Denken im Sinne von Grübeln, Problemdenken oder
„ich denke zu viel“.

Nein, ich meine dieses ernsthafte Bemühen, alles richtig zu denken,
damit es sich später gut anfühlt.

Und wenn man ehrlich ist:
Das ist… herrlich absurd.

Denn Denken will Ordnung.
Das Leben liefert Chaos.
Und wir wundern uns, warum das, was wir uns im Kopf so sauber zusammenbauen,
im echten Leben nicht aufgeht.

Ich muss schon sagen, was ich mir alles zusammen denke –
das ist teilweise wirklich bemerkenswert.

Ich glaube übrigens nicht,
dass ich zu viel denke.
Ich denke nur sehr gründlich.
Und manchmal extrem kreativ.
Vor allem dann,
wenn es darum geht,
Dinge komplizierter zu machen,
als sie eigentlich sind.

Vielleicht kennst du das auch.
Da ist ein Thema im Kopf –
und plötzlich fühlt es sich an,
als hätte jemand eine Gruppendiskussion eröffnet,
oder eher eine Gruppentherapiesitzung für Schwererziehbare.

Alle reden.
Alle haben etwas beizutragen.
Alle meinen es gut.

Und jeder ist überzeugt,
dass sein Gedanke jetzt wirklich wichtig ist.

„Man müsste das mal von allen Seiten betrachten.“
„Aber was ist, wenn …?“
„Da sollte man nichts überstürzen.“
„Das haben wir schon einmal gedacht –
ist auch nicht gut ausgegangen.“

Und irgendwo dazwischen sitzt man selbst
und denkt sich:
Hallo! Lasst mich doch mal in Ruhe nachdenken.

Man könnte sagen:
Mein Denken ist sehr fleißig.

Hilfreich?
Nicht immer.

Denn, während diese innere Gesprächsrunde
noch dabei ist,
Ordnung ins Chaos zu bringen,
ist das Leben längst weitergegangen.

Ohne Protokoll.
Ohne Zusammenfassung.
Und ohne Rückfrage.

Manchmal habe ich das Gefühl,
mein Denken arbeitet wie eine hypermotivierte Selbsthilfegruppe.
Extrem bemüht.
Immer beschäftigt.
Und überzeugt davon, dass noch eine Excel-Tabelle fehlt.

Nicht, weil sie gebraucht wird.
Sondern, weil sie beruhigt.

Denn denken fühlt sich gut an.
Denken gibt Kontrolle.
Denken vermittelt das Gefühl, vorbereitet zu sein.

Fühlen dagegen…
ist unordentlich.
Unberechenbar.
Und hält sich nicht an Argumente.

Vielleicht denke ich deshalb so viel.
Nicht, weil ich Lösungen suche –
sondern weil Denken Sicherheit verspricht.

Nur dumm,
dass Denken zwar vieles kann,
aber bei manchen Fragen
einfach nicht weiterhilft.

Es kann erklären.
Es kann begründen.
Es kann recht behalten.

Aber es kann nicht fühlen.
Und es kann auch nicht entscheiden,
was mir wirklich guttut.

Vielleicht ist das der Punkt,
an dem Denken oft überschätzt wird.

Nicht, weil es falsch ist.
Sondern weil wir manchmal so tun,
als könnte es alleine arbeiten.

Als gäbe es ein Denken
ohne Gefühl.
Ohne Erinnerung.
Ohne innere Geschichte.

Denn dieses „reine Denken“
ist eher eine Idee
als eine Erfahrung.

In Wahrheit sitzt das Gefühl
immer mit am Tisch.
Still oder laut.
Angenehm oder störend.

Und vielleicht entsteht genau dort Spannung:
Wenn wir versuchen, logisch zu sein –
und dabei übersehen,
was längst mitdenkt.

Denn Denken ist nie allein.
Und Fühlen war nie unbeteiligt.



Über den Autor:

Robert Plaschke beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, warum wir denken, fühlen und reagieren, wie wir es tun.

Nicht theoretisch. Sondern mitten im Alltag.

Er liebt klare Gedanken, weiß aber auch, wie schnell sie kompliziert werden.
Vor allem dann, wenn Denken versucht, Sicherheit zu liefern.

In seinen Texten verbindet er psychologische Tiefe
mit Humor und Selbstironie.
Nicht, um Antworten zu geben – sondern um Denkprozesse sichtbar zu machen.

Sein Ansatz ist einfach:
Wenn wir über uns lachen können, denken wir oft ehrlicher.

Und manchmal hilft genau das mehr
als jede Erklärung.

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