Keine Zeit ist auch eine Entscheidung

Ich kann mir alles erklären.
Warum ich gerade keine Zeit habe.
Warum es jetzt ungünstig ist.
Warum später klüger wäre.

Vielleicht kennst du das auch.
Es gibt immer etwas zu tun.
Der Tag wird vollgestopft mit Projekten aller Art.

Einige entstehen im eigenen Kopf.
Der Rest wird vom Umfeld nachgereicht.

Im Projekte-Finden bin ich wirklich gut.
Die Ideen sprudeln nur so daher.

Leider meistens gleichzeitig.

Manchmal wünsche ich mir, der Tag hätte 48 Stunden,
damit ich all das unterbringe.
Und natürlich sind diese Projekte wichtig.
Zumindest erkläre ich sie mir so.

Gründe finde ich dabei wie andere ihre Schlüssel:
ziemlich schnell
und meistens genau dann,
wenn ich sie brauche.

Ich weiß, wie der Alltag funktioniert.
Ich weiß, was Vorrang hat.
Ich weiß, dass es gerade „einfach viel ist“.

Zu viel?
Nein, das kann nicht sein.

Wenn ich etwas nicht schaffe,
liegt es sicher nur am Zeitmanagement.

Also an mir.
Oder an der Zeit.
Oder an beidem.

Schon wieder dieses Wort: Zeit.

Manchmal habe ich das Gefühl,
sie vergeht schneller.
Einstein meinte ja, sie sei relativ.
Vielleicht ist die einfachere Erklärung:
Ich werde langsamer.

Und all das stimmt sogar.
Meistens.

Aber vielleicht ist das nicht der wahre Grund,
warum meine Tage so voll sind.

Vielleicht sind diese Erklärungen einfach praktisch.
Sie schaffen Ordnung.
Sie halten Abstand.
Und sie geben mir das Gefühl, alles im Griff zu haben.

Zumindest im Kopf.

Denn erklären ist sauber.
Erklären ist logisch.
Erklären tut nicht weh.

Fühlen dagegen
ist chaotisch.
Unberechenbar.
Und manchmal schlicht zu viel.

Vielleicht deshalb so viele Projekte.
Vielleicht erkläre ich mir das alles,
damit ich nicht so viel fühlen muss.

Ist einfacher.
Und deutlich planbarer.

Damit ich weniger über mich selbst nachdenke.
Damit ich nicht merke,
dass da etwas drückt.
Oder fehlt.
Oder längst da ist
und gesehen werden will.

Vielleicht gibt es gar kein Zeitproblem.
Kein Organisationsproblem.
Kein „Jetzt-passt-es-nicht“-Problem.

Vielleicht ist es ein Näheproblem.
Und vielleicht weiß ich das schon länger.

Genau deshalb fallen mir wahrscheinlich gerade
so viele gute Erklärungen ein.

Über den Autor:

Robert Plaschke beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, warum wir denken, fühlen und reagieren, wie wir es tun.

Nicht theoretisch. Sondern mitten im Alltag.

Er liebt klare Gedanken, weiß aber auch, wie schnell sie kompliziert werden.
Vor allem dann, wenn Denken versucht, Sicherheit zu liefern.

In seinen Texten verbindet er psychologische Tiefe
mit Humor und Selbstironie.
Nicht, um Antworten zu geben – sondern um Denkprozesse sichtbar zu machen.

Sein Ansatz ist einfach:
Wenn wir über uns lachen können, denken wir oft ehrlicher.

Und manchmal hilft genau das mehr
als jede Erklärung.

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